Wohnungsbau in der Krise: Neue Studie fordert Umbau der Förderpolitik

Die Krise im Wohnungsbau dauert weiter an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit über 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf nur noch gut 200.000 Wohnungen zurück-fallen. Um die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zu entschärfen, braucht es schnellst-möglich eine zielgerichtetere Förderpolitik. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigt Leitplanken für eine solche neue Förderkulisse auf.
„Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Die sozialen Folgen sind für die Bevölkerung längst spürbar. Deshalb müssen wir künftig so gezielt fördern wie möglich.“ Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur geleistet werden. Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Autor der Studie, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“
Ein Förderschwerpunkt sollte auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungs-marktes in Krisenzeiten liegen. Mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung sei zwar ein entsprechendes Instrument geschaffen worden, dieses habe aufgrund zu strenger Konditionen bislang jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert daher, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderkonditionen weiter nachzubessern. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs. Als mögliche Hebel nennt er unter anderem eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro pro Wohnung sowie praxistauglichere Regelungen zum definierten Vorhabenbeginn. Als weiteres zentrales Handlungsfeld benennt die Studie Wohneigentumsbildung. Angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie die Einführung von KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite.
Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme notwendig, um energetische Sanierungen voranzutreiben. Der Fokus sollte künftig stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs. Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollten laut Studie auch Technologievorhaben zur Steigerung der Produktivität gefördert werden – etwa bei der Entwicklung von Produktinnovationen.
Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie die Notwendigkeit struktureller Reformen, um einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen zu ermöglichen. “Die Über-führung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.
