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Gemeinsam mit mehreren Rohstoffverbänden fordert der BBS grundlegende Überarbeitung des NatInfG – Versorgungssicherheit und Genehmigungsfähigkeitstehen auf dem Spiel.

Die heimische Rohstoffgewinnung steht unter Druck. Genehmigungsverfahren dauern heute schon bis zu 15 Jahre – und das geplante Natur-Infrastruktur-Gesetz (NatInfG) droht, diese Situation weiter zu verschärfen. Vier führende Verbände der deutschen Rohstoffindustrie lehnen den aktuellen Gesetzentwurf des Bundesumweltministeriums in seiner derzeitigen Form entschieden ab.

Ein Gesetz mit weitreichenden Folgen

Der Entwurf sieht vor, dem Naturschutz auf rund fünf Prozent der Landesfläche Deutschlands ein überragendes öffentliches Interesse einzuräumen. Zusätzlich soll mit der „Natürlichen Infrastruktur“ eine neue, bis zu 15 Prozent des Landes umfassende Flächenkulisse geschaffen werden. Für die Rohstoffgewinnung ist aber nicht der bundesweite Flächenanteil entscheidend,sondern die konkrete Lage: Schon kleine Flächenanteile können gravierende Folgen haben, wenn sie Lagerstätten oder zwingend benötigte Betriebsflächen treffen.

Nach Einschätzung der Verbände wären die Folgen gravierend: Neben einerweiteren Verlängerung ohnehin langwieriger Planungsverfahren dürfte es in einzelnen Regionen zum faktischen Genehmigungsausschluss für die Rohstoffgewinnung kommen. Dies stünde im Widerspruch zum erklärten Ziel der Bundesregierung, die heimische Rohstoffgewinnung und die Versorgungssicherheitzu stärken. Was Deutschland nicht mehr selbst gewinnt, muss zunehmend importiert werden. Damit drohen neue Abhängigkeiten gerade in einer Zeitwachsender geopolitischer Unsicherheit.

Kein Ausweichen möglich – Lagerstätten sind geologisch gebunden

Anders als in anderen Sektoren lässt sich die Rohstoffgewinnung nichtbeliebig verlagern. Lagerstätten existieren dort, wo die Geologie es zulässt. Ein Ausweichen auf alternative Standorte ist nicht möglich. Dabei nimmt die aktive Rohstoffgewinnung für mineralische, energetische und fossile Rohstoffe in Deutschland gerade einmal rund 0,04 Prozent der Landesfläche in Anspruch –eine verschwindend kleine Fläche mit enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Ohnehin müssen Eingriffe durch die Branche bereits jetzt kompensiert und nachder Rohstoffgewinnung wieder renaturiert werden.  

Hinzu kommt: Der Gesetzentwurf sieht eine pauschale Anhebung der Ausgleichszahlungen um 20 Prozent vor. Diese fallen an, wenn ein Eingriff in Flächen der „Natürlichen Infrastruktur“ nicht vollständig vermieden oder durchAusgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert werden kann. Das würde weitere Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bedeuten – zu einem Zeitpunkt, in dem die Wirtschaft ohnehin mit strukturellen Belastungen kämpft.

Für die zentralen Verschärfungen besteht aus Sicht der Verbände weder einentsprechender Auftrag aus dem Koalitionsvertrag noch eine europarechtliche Verpflichtung. Eine konkrete Regelungslücke, die das zusätzliche überragende öffentliche Interesse für Naturschutz, die neue Flächenkategorie natürliche Infrastruktur und die zusätzlichen Kompensationsbelastungen rechtfertigt, wurde bislang nicht aufgezeigt.

Der Kabinettsbeschluss zum Gesetz ist nach mehrfacher Verschiebung derzeit für den 26. August 2026 vorgesehen. In dem Kontext diskutierte Vorschläge, wie beispielsweise ein Schutz für Bestandsanlagen, würde auf neue Rohstoffprojekte nicht zutreffen. Und auch eine Ausnahme für Rohstoffe nach dem EU Critical Raw Materials Act (CRMA) würde der Rohstoffindustrie nicht helfen, da die heimische Rohstoffgewinnung nahezu vollständig nicht unter den CRMA fällt. Der Entwurf muss deshalb laut den vier Verbänden vor der Kabinettsbefassung grundlegend überarbeitet werden. Sollte der Entwurf so beschlossen werden, werden die Verbände die Korrektur im parlamentarischen Verfahren weiter einfordern.

 

Zitate der beteiligten Verbände:

„Das Natur-Infrastruktur-Gesetz erschwert und verteuert die heimischeRohstoffgewinnung erheblich und trifft die Industrie mitten in derkonjunkturellen Krise. Die Regierung bricht hier ein zentrales Versprechen derPlanungsbeschleunigung.“ sagt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführerdes Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden (BBS).

„Die resiliente Versorgung mit notwendigen Energieträgern und Rohstoffen,Wärmewende, Wasserstoff und CO₂-Speicherungbrauchen geologisch gebundene Projekte – auch aus dem Bohrlochbergbau. Werdafür neue Hürden schafft, arbeitet gegen die eigenen energie- undindustriepolitischen Ziele und frustriert gewollt oder ungewollt dringenderforderliche neue Projekte, obwohl schon die geltende Rechtslage für einenangemessenen Interessenausgleich sorgt.“ sagt Dr. Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas,Erdöl und Geoenergie (BVEG).

„Rohstofflagerstätten lassen sich nicht verlegen. Auch ein Prozent derBundesfläche kann für die Rohstoffgewinnung fatal sein, wenn es das geologischentscheidende Prozent ist. Deutschland darf heimische Rohstoffe nicht erst dannschützen, wenn wir unsere eigene Förderung verloren und neueImportabhängigkeiten geschaffen haben.“, sagtGerrit Gödecke, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Kali- und Salzindustrie(VKS).

„Das Gesetzesvorhaben richtet sich ausdrücklich gegen die zukünftigeRohstoffsicherung in Deutschland.  Ererschwert Neuaufschlüsse und Erweiterungen, die für die langfristigeRohstoffsicherheit unverzichtbar sind. Wer Energiewende, Infrastruktur,Wohnungsbau und industrielle Wertschöpfung stärken will, muss auch die dafürerforderlichen heimischen Rohstoffe verfügbar halten. Andernfalls werden wirAbhängigkeiten von Importen weiter vergrößern“, sagt Philipp Schollmeyer, Hauptgeschäftsführer der VereinigungRohstoffe und Bergbau (VRB).

 

Beteiligte Verbände:

Der Bundesverband Baustoffe –Steine und Erden e.V. (BBS) vertritt als Dachverband diewirtschaftspolitischen Interessen von rund 4.000 vorwiegend mittelständischenUnternehmen mit 145.000 direkt Beschäftigten. Unter seinem Dach sind 25Verbände organisiert, darunter u. a. die Sektoren Zement, Ziegel,Transportbeton, Betonfertigteile, Fliese, Gips, Kalk, Kalksandstein, KeramischeRohstoffe und Industrieminerale, Kies, Sand und Naturstein, Mineralwolle,Porenbeton und Recycling-Baustoffe.

Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) und seine 85Mitgliedsunternehmen mit mehr als 6.500 Beschäftigten sind Experten fürsicheren und umweltbewussten Bohrlochbergbau in Deutschland. Tiefbohrungenermöglichen die Produktion von Erdgas und Erdöl, die Speicherung von Erdgas,Erdöl, Wasserstoff und CO₂, die Solung von Kavernen,die Tiefengeothermie sowie die Gewinnung von Lithium und Helium. Der BVEGbündelt die Fachkompetenz und Praxiserfahrung seiner Mitglieder und macht dieseExpertise im Dialog mit staatlichen Stellen, Politik und Gesellschaft nutzbar;er steht für eine kosteneffiziente Transformation, die Deutschlandwettbewerbsfähig hält.

Der Verband der Kali- und Salzindustrie e.V. (VKS) vertritt diegemeinsamen Interessen der deutschen Kali- und Salzindustrie. SeineMitgliedsunternehmen gewinnen und verarbeiten heimische Rohstoffe im Bergbauund in Salinen und versorgen damit zentrale Bereiche wie Landwirtschaft,Lebensmittelproduktion, Chemie, Pharma und Winterdienst sowie zahlreicheweitere industrielle Wertschöpfungsketten.

Die Vereinigung Rohstoffeund Bergbau e.V. (VRB) vertritt alsDachverband die wirtschafts- und rohstoffpolitischen Interessen der deutschenRohstoffwirtschaft. Unter ihrem Dach sind Verbände und Unternehmen aus denBereichen Braunkohle, Steinkohle und Nachbergbau, metallische Rohstoffe,Industrieminerale, keramische Rohstoffe und Tone, Exploration und BergbauStartups sowie dem internationalen Rohstoffsektor organisiert.

Trotz weltweit höchster Standards will die Bundesregierung mitten in der Wirtschaftskrise den Naturschutz weiter stärken. Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) warnt vor erheblichen Folgen für die heimische Rohstoffversorgung. In weiten Teilen Deutschlands drohen zusätzliche Hürden bis hin zu faktischen Genehmigungsausschlüssen.

Berlin, Juni 2026 – Ob Infrastruktur, Wohnungsbau oder Rohstoffgewinnung: Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sind längst zu einem strukturellen Standortproblem in Deutschland geworden. Diese Lage droht sich nun weiter zu verschärfen. Mit dem zur Verbändeanhörung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur und zur Fortentwicklung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung – kurz: Natur-Infrastruktur-Gesetz – soll der Naturschutz gegenüber wirtschaftlichen Belangen erheblich aufgewertet werden. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden e.V., Dachverband der mineralischen Roh- und Baustoffindustrie, könnte das Gesetz die Versorgung mit heimischen Baurohstoffen erheblich erschweren.

„Das Natur-Infrastruktur-Gesetz trifft die Unternehmen mitten in der Wirtschaftskrise und damit zum völlig falschen Zeitpunkt“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Die Branche unterstütze zwar ausdrücklich einen wirksamen Natur- und Umweltschutz. Jedoch verfüge Deutschland bereits heute über sehr hohe Natur- und Umweltstandards. Eine weitere Verschärfung sei daher mit Blick auf die wirtschaftliche Lage nicht verhältnismäßig. Kritisch bewertet der Verband insbesondere das geplante überragende öffentliche Interesse für bestimmte Bereiche des Naturschutzes, die Schaffung einer neuen Rechtskategorie „natürliche Infrastruktur“ sowie die pauschale Erhöhung von Ersatzzahlungen. „Noch längere und teurere Genehmigungsverfahren wären damit vorprogrammiert“, so Frederichs.

Der BBS verweist darauf, dass für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der erneuerbaren Energien gerade erst neue Regeln zur Planungsbeschleunigung geschaffen wurden. Diese Bemühungen drohten nun konterkariert zu werden. Noch gravierender seien die Auswirkungen jedoch für wirtschaftliche Bereiche, die bislang nicht von entsprechenden Beschleunigungsregelungen profitieren. „Für mittelständisch geprägte Branchen wie die heimische Rohstoffindustrie ist trotz zahlreicher politischer Versprechen weiterhin kein Gesetz zur Planungsbeschleunigung geplant. Die Unternehmen kämpfen bereits heute mit Planungs- und Genehmigungsverfahren, die nicht selten mehr als zehn Jahre dauern. Wenn nun in großflächig zusätzliche naturschutzrechtliche Hürden aufgebaut werden, droht in Teilen des Landes ein faktischer Genehmigungsausschluss“, warnt Frederichs. Baustoff-Recycling werde zwar weiterhin entschlossen vorangetrieben, in der Praxis reichen die Mengen von Sekundärstoffen jedoch bei Weitem nicht aus.

Für das weitere gesetzgeberische Verfahren fordert der BBS eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs. Naturschutz bleibe wichtig, dürfe aber nicht pauschal über andere öffentliche Interessen gestellt werden. Rohstoffversorgung, bezahlbares Bauen, Infrastrukturmodernisierung und industrielle Wertschöpfung seien ebenfalls zentrale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des Landes. „Schon die Tatsache, dass ein solcher Entwurf politisch ernsthaft vorangetrieben wird, sendet ein verheerendes Signal an Unternehmen und Investoren“, sagt Frederichs und findet deutliche Worte, „das Natur-Infrastruktur-Gesetz wäre in der vorliegenden Form ein Sargnagel fürdie heimische Rohstoffversorgung.“ Wer Investitionen in heimische Standorte erwarte, müsse Genehmigungen erleichtern, statt neue Unsicherheiten zu schaffen.

Nach Jahren der Rezession rechnet der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) für 2026 nur noch mit einer stagnierenden Produktion. Damit korrigiert der Verband seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose von plus 2 Prozent wieder nach unten, wie BBS-Präsident Dr. Dominik von Achten auf der diesjährigen Jahrestagung erklärt.

„Die Hauptgründe für die Stagnation der Baustoffproduktion liegen auf der Hand: Ein relativ langer Winter sowie die Verunsicherung der Märkte durch die volatile geopolitische Lage und die ausbleibenden Reformen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau. 2026 ist weiterhin nicht mit einer Erholung der Baustoffproduktion zu rechnen“, fasst von Achten die aktuelle Lage zusammen. Besonders frustrierend sei, dass der Bedarf weiterhin hoch bleibe: „Die marode Infrastruktur verfällt weiter, wir haben den niedrigsten Stand an neuen Wohnungen seit zwölf Jahren und auch bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf.“

Von politischer Seite sei der Handlungswille zwar erkennbar, die Umsetzung dauere jedoch insgesamt viel zu lange. So habe das Gesetz zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben zu lange im Bundestag gelegen. Auch die Schaffung des inzwischen vorhandenen rechtlichen Rahmens für die Speicherung von CO₂ habe Jahre in Anspruch genommen. Große Sorge bereitet von Achten insbesondere die Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur: „Zu Beginn war der Deal klar - historische Verschuldung gegen mutige Reformen. Wenn jetzt allerdings nicht zügig reformiert wird, droht das Sondervermögen, ohne spürbaren volkswirtschaftlichen Effekt zu versickern. Das wäre das Worst-Case-Szenario.“

Zumindest im Bereich der Energiepolitik habe die Bundesregierung nach Auffassung des BBS-Präsidenten geliefert. Die im Koalitionsvertrag enthaltenen Entlastungen seien zügig umgesetzt worden. „Man sieht: Handlungsfähigkeit ist möglich, wenn alle politischen Akteure mitziehen“, so von Achten. Absolutes Unverständnis äußert er hingegen mit Blick auf das geplante Gesetz zur natürlichen Infrastruktur. Der Entwurf sieht als Antwort auf die Planungsbeschleunigung im Infrastrukturbereich unter anderem vor, verschiedene Bereiche des Naturschutzes als überragendes öffentliches Interesse zu definieren und damit die Flächenkonkurrenzen weiter zu verschärfen. Für Steine-Erden-Unternehmen, die in den kommenden Jahren Folgegenehmigungen zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen anstreben, wäre das Gesetz in seiner jetzigen Form eine rohstoffpolitische Katastrophe. Deutschlands Industrie, so von Achten, kann nur aus seinem wirtschaftspolitischen Tief herauskommen, wenn die politische Prioritätensetzung auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgerichtet werde.

Parlamentarischer Abend im Zeichen der industriellen Wettbewerbsfähigkeit
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung hat der BBS erneut zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen. Vor rund 130 Gästen diskutierte Präsident von Achten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland, das Sondervermögen Infrastruktur sowie die Herausforderungen der industriellen Transformation.

Das statistische Bundesamt hat bekanntgegeben, dass in 2025 206 600 Wohnungen 2025 fertiggestellt wurden. BBS-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs ordnet die Zahlen ein:

"Fehlender Wohnraum ist die soziale Krise unserer Zeit. Aktuelle Rahmenbedingungen und geopolitische Konflikte drohen die Lage im Wohnungsbau sogar noch zu verschärfen. Die Zahlen zur Wohnungsfertigstellung 2025 zeigen, dass jährlich mindestens 100.000 Wohneinheiten zu wenig gebaut werden. Damit gehen kontinuierlich auch wirtschaftliche Kapazitäten verloren, die wir als Gesellschaft heute und morgen dringend brauchen. Die bisherigen baupolitischen Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es braucht dringend einen baupolitischen Befreiungsschlag.“

Im Rahmen eines Verbändebündnisses beteiligt sich der BBS am Wohnungsbau-Appell 2026 und fordert unter anderem:

  1. Einen neuen gesellschaftlichen Konsens für den Wohnungsbau
  2. Die Sicherstellung verlässlicher Förderpolitik
  3. Die Verbesserung steuerlicher Rahmenbedingungen
  4. Die Sicherstellung stabiler Finanzierung
  5. Fokussierung beim Gebäudetyp E
  6. Keine unnötige Verschärfung der Mietenregulierung

Die Krise im Wohnungsbau dauert weiter an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit über 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf nur noch gut 200.000 Wohnungen zurück-fallen. Um die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zu entschärfen, braucht es schnellst-möglich eine zielgerichtetere Förderpolitik. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigt Leitplanken für eine solche neue Förderkulisse auf.

„Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Die sozialen Folgen sind für die Bevölkerung längst spürbar. Deshalb müssen wir künftig so gezielt fördern wie möglich.“ Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur geleistet werden. Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Autor der Studie, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“

Ein Förderschwerpunkt sollte auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungs-marktes in Krisenzeiten liegen. Mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung sei zwar ein entsprechendes Instrument geschaffen worden, dieses habe aufgrund zu strenger Konditionen bislang jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert daher, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderkonditionen weiter nachzubessern. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs. Als mögliche Hebel nennt er unter anderem eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro pro Wohnung sowie praxistauglichere Regelungen zum definierten Vorhabenbeginn. Als weiteres zentrales Handlungsfeld benennt die Studie Wohneigentumsbildung. Angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie die Einführung von KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite.

Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme notwendig, um energetische Sanierungen voranzutreiben. Der Fokus sollte künftig stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs. Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollten laut Studie auch Technologievorhaben zur Steigerung der Produktivität gefördert werden – etwa bei der Entwicklung von Produktinnovationen.

Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie die Notwendigkeit struktureller Reformen, um einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen zu ermöglichen.  “Die Über-führung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.

Berlin, März 2026 – Das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) wird deutlich weniger wirtschaftliche Impulse auslösen als politisch erwartet. Grund ist die Zweckentfremdung der Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS).

Die Autoren gehen davon aus, dass rund 40 Prozent der Mittel des SVIK über die gesamte Laufzeit von 12 Jahren tatsächlich zusätzliche Investitionen auslösen. Der Rest ersetzt bereits geplante Ausgaben oder kompensiert Kürzungen im regulären Bundeshaushalt. Dadurch fällt der gesamtwirtschaftliche Effekt nur gering aus: Das Bruttoinlandsprodukt wächst laut Studie mit SVIK im Durchschnitt lediglich um 0,2 Prozent pro Jahr stärker als ohne Sondervermögen.  

„Angesichts der historischen Verschuldung ist das ein ernüchterndes Ergebnis“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Wenn die Mittel lediglich bestehende Haushaltslöcher stopfen, wird aus dem Sondervermögen kein Wachstumstreiber.“ Der Verband verweist mit Sorge auf die jüngeren Untersuchungen des IW Köln und des ifo-Institutes und fordert deshalb eine konsequente Zusätzlichkeit der Investitionen. „Die Mittel müssen vollständig zusätzlich eingesetzt werden – ohne Kürzungen im Kernhaushalt. Spätestens im Bundeshaushalt 2027 muss die Bundesregierung dafür sorgen“, so Frederichs. Ebenso entscheidend seien deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine abgestimmte Investitionsplanung. Zwar befinden sich Beschleunigungsmaßnahmen wie das Infrastruktur-Zukunftsgesetz oder Änderungen im Umweltrechtsbehelfsgesetz im politischen Verfahren. „Doch die Wirkung droht durch politische Kompromisse verwässert zu werden. In Teilen von Bundesregierung und Bundestag ist der Ernst der Lage offenbar noch nicht angekommen“, kritisiert Frederichs.

Deutlicher Rohstoffbedarf durch Infrastrukturinvestitionen

Positive Effekte des Sondervermögens zeigen sich aufgrund der Ausrichtung noch am ehesten im Tiefbau. Laut RWI-Studie wachse dieser im Projektionszeitraum im Durchschnitt um 2,0 Prozent pro Jahr – rund 0,4 Prozentpunkte stärker als ohne SVIK. Die zusätzlichen Bauaktivitäten erhöhen zugleich den Bedarf an mineralischen Rohstoffen. Ausgehend von einer Primärrohstoffgewinnung 2022 von 554 Mio. Tonnen dürfte die Rohstoffnachfrage durch das SVIK bis 2030 auf 583 Mio. Tonnen steigen und damit 45 Mio. Tonnen oberhalb des Szenarios ohne SVIK liegen. Auch in den Folgejahren setze sich dieser Effekt fort: 2035 läge die Nachfrage um 43 Millionen Tonnen, 2040 noch um 29 Millionen Tonnen über dem Szenario ohne Sondervermögen.  

Der BBS verweist darauf, dass der Bedarf bei steigender Zusätzlichkeit der Investitionen sogar noch deutlich höher liegen könnte: „Mineralische Rohstoffe sind die Grundlage jeder Infrastruktur. Wenn das Sondervermögen wirken soll, muss auch die Rohstoffgewinnung am Beginn der Wertschöpfungskette Bau politisch mitgedacht werden“, betont Frederichs. Der Verband verweist auf die häufig jahrelang dauernden Planungs- und Genehmigungsverfahren und fordert deshalb, die Rohstoffgewinnung rechtlich zu stärken und (analog zum Ausbau von erneuerbaren Energien) als überragendes öffentliches Interesse einzustufen. Die Bundesregierung plane dies aktuell für Infrastrukturprojekte – ohne jedoch die dafür notwendigen Rohstoffvorhaben mit einzubeziehen. Auch der Einsatz von rund 100 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffen pro Jahr leiste bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffversorgung, könne jedoch den zusätzlichen Bedarf nicht kompensieren, so Frederichs abschließend.

Über die Studie
Die Kurzstudie „Auswirkungen des Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) auf die Baurohstoffnachfrage in Deutschland“ wurde vom RWI im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. erstellt.

Nach drei Jahren rückläufiger Entwicklung hat sich die Baustoffproduktion in Deutschland im Jahr 2025 stabilisiert. Kalenderbereinigt verzeichnete die Branche laut Statistischem Bundesamt ein Wachstum von 1,2 Prozent. Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V. (BBS), der rund 25 Branchenverbände mit etwa 4.000 Unternehmen vertritt, wertet dieses Ergebnis als erstes Aufbruchssignal, fordert aber zugleich mehr Tempo bei der Umsetzung politischer Vorhaben.

„Das Wachstum von 1,2 Prozent ist ein Lichtblick“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Angesichts der Produktionsrückgänge von insgesamt fast 25 Prozent in den vergangenen Jahren sei dies jedoch noch kein Wendepunkt. „Von einer nachhaltigen Erholung zu sprechen, wäre deutlich verfrüht. Denn auch wenn der freie Fall gestoppt ist, gilt weiterhin die Devise: Durchhalten.“ Zwischen den einzelnen Baustoffsektoren zeigten sich im Jahr 2025 moderate Unterschiede. Zuwächse zeichnen sich etwa in den Bereichen ab, die aufgrund der Wohnungsbaukrise zuvor von hohen Rückgangsraten geprägt waren wie z. B. der Mauerwerksbau mit Wandbaustoffen wie Mauerziegeln, Kalksandstein und Porenbeton. Während auch die Gewinnung von Kies, Sand und Naturstein sowie die Produktion von Gipserzeugnissen leicht zulegten, gingen die Produktion von Zement, Kalk und Mörtel im Vorjahresvergleich weiter zurück.

Nachhaltige Erholung braucht politische Entscheidungen
Für eine dauerhafte Erholung der Baustoffindustrie braucht es aus Sicht des BBS mehr Aufbruchsstimmung – sowohl am Bau als auch in der Gesamtwirtschaft. Dafür sei entschlossenes politisches Handeln entscheidend. „2025 war geprägt von Ankündigungen, 2026 muss das Entscheidungsjahr werden“, so Frederichs. Nach solider Vorarbeit drohe die Bundesregierung zunehmend im Klein-Klein stecken zu bleiben. Zahlreiche Gesetze mit tragfähigen Entwürfen verharrten entweder im Kabinett oder im Bundestag. „Die Reformwilligen müssen sich endlich durchsetzen“, fordert Frederichs. So mahnt der Verband zur Eile beim Infrastruktur-Zukunftsgesetz, damit die zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen endlich wirksam verbaut werden können. Auch die anhaltende Unsicherheit rund um das Gebäudeenergiegesetz koste am Ende wirtschaftliche Dynamik. Im Wohnungsbau habe die Bundesregierung mit dem EH55-Förderprogramm und dem Bau-Turbo zwar Handlungsfähigkeit bewiesen, diese Impulse reichen aber bei Weitem nicht aus.

Verband erwartet Wachstum von 2 Prozent in 2026
Für das Jahr 2026 ist die Mission der Branche aus Sicht des BBS klar: „Wir machen das, was wir am besten können: Baustoffe produzieren, Wertschöpfung erhalten und Lebensqualität sichern.“ Die Politik sieht Frederichs in der Verantwortung, wieder verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Unternehmer „auch wieder Freude am Investieren in Deutschland finden“. Unter den derzeitigen Voraussetzungen rechnet der BBS für 2026 mit einem leichten Produktionszuwachs von rund zwei Prozent. „Ein weiterer Lichtblick, aber immer noch im Krisenmodus“, so Frederichs abschließend.

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Der schwerste Produktionseinbruch in der Baustoffindustrie seit Gründung der Bundesrepublik scheint weitestgehend überstanden zu sein. Die Konjunkturindikatoren lassen auch im Wohnungsbau eine Stabilisierung erkennen. Mit dieser Einschätzung lässt der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) für das neue Jahr vorsichtigen Optimismus erkennen. Für eine nachhaltige Trendwende seien jedoch rasche, verlässliche und konsequent umgesetzte politische Reformen unerlässlich.

„Die Talsohle wurde 2025 endlich erreicht. Unter den richtigen Rahmenbedingungen kann es 2026 wieder spürbar aufwärts gehen“, erklärt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Positiv bewertet der Verband das jüngste baupolitische Engagement der Bundesregierung. Mit der befristeten Wiedereinführung der EH55-Förderung sowie dem sogenannten Bau-Turbo seien Instrumente auf den Weg gebracht worden, die kurz- und mittelfristig Impulse für den Wohnungsbau setzen könnten. Mehr Planungssicherheit brauche es hingegen bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands. „Die anhaltenden Unsicherheiten zur Zukunft des Gebäudeenergiegesetzes sowie zur nationalen Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD wirken derzeit wie ein Bremsklotz für Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz im Gebäudesektor“, warnt Frederichs. Entscheidend sei ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Effizienzsteigerungen und der Umstellung auf klimaneutrale Wärmeerzeugung. Gerade Gebäude mit dem schlechtesten energetischen Zustand sollten gezielt förderpolitisch adressiert werden, um die Effizienz zu steigern und CO₂-Emissionen und Heizkosten wirksam zu senken.

Große Bedeutung misst der BBS den geplanten Investitionen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen bei. Diese müssten 2026 zwingend „auf die Straße gebracht werden“. Scharf kritisiert der Verband hingegen die inzwischen beschlossenen Kürzungen der Investitionen aus dem Kernhaushalt zulasten des Sondervermögens. „Wir nehmen 500 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf, erzielen aber lediglich ein Wachstum von Nullkomma X – das kann nicht im Sinne der Erfinder sein“, so Frederichs. Damit die vorhandenen Mittel schnelleingesetzt werden können, brauche es laut Verband einen zügigen Beschluss des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes. Um darüber hinaus die Wirksamkeit des Sondervermögens zu erhöhen, müssten Planungs- und Genehmigungsverfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich beschleunigt werden – ausdrücklich auch bei der Gewinnung der benötigten mineralischen Rohstoffe. Insgesamt sei beim Thema Planungsbeschleunigung ein breiterer Ansatz erforderlich, um weitere Investitionen zu mobilisieren. „Allein staatliche Investitionen reichen nicht aus. Wir müssen an die Rahmenbedingungen ran, damit auch privates Kapital wieder stärker Vertrauen fasst.“

Industriepolitisch bewertet der BBS die Entlastungen bei den Energiekosten, insbesondere bei den Netzentgelten, als wichtige kurzfristige Stütze. Zugleich stellt Frederichs klar, dass Subventionen keine dauerhafte Lösung zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sein können. Notwendig sei vielmehr eine verlässliche Perspektive für die Nutzung bezahlbarer grüner Energie vorzulegen. Nach dem überfälligen Beschluss zum Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz müsse zügig auch über die Finanzierung der erforderlichen CO₂-Infrastruktur entschieden werden. Insgesamt lägen aus der Bau- und Wirtschaftspolitik bereits einige Vorschläge zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Tisch, nun kommt es auf die Umsetzung an. „Im Jahr 2026 muss der erkennbare Reformwille zu spürbarer Handlungsfähigkeit weiterentwickelt werden. Nur dann kommen wir einer echten wirtschaftlichen Kehrtwende näher“, fasst Frederichs zusammen.

16 Verbände der Bau-, Baustoff-und Kreislaufwirtschaft fordern in einem Schreiben an Bundesumweltminister Carsten Schneider die Novellierung der Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) schon im ersten Quartal 2026. Dabei sollen die konsensfähigen Maßnahmen im Vordergrund stehen, die bereits im Planspiel 2.0 zur ErsatzbaustoffV des Umweltbundesamts (UBA) im Sommer 2025 gemeinsam erarbeitet wurden und als „low-hanging fruits“ in den UBA-Zwischenbericht vom 7. November 2025 zur Evaluierung und Weiterentwicklung der Regelungen der ErsatzbaustoffV eingeflossen sind.

Zu den Kernforderungen der Unterzeichnenden zählen u. a. die Vereinfachung der Analytik, Klarstellungen zur Bewertung der Grundwasserdeckschicht und für mobile Aufbereitungsanlagen sowie Vereinfachungen der Dokumentation. Die Unterzeichnenden betonen, dass es sich hierbei um unkomplizierte Anpassungen in der Verordnung handelt. Eine schnelle Novelle fordert laut Medienberichten auch die Umweltministerkonferenz (UMK), die auf ihrer 105. Sitzung am 14. November erneut eine Vereinfachung und praxistaugliche Weiterentwicklung der ErsatzbaustoffV als „dringend geboten“ bezeichnet.

In dem Verbändeschreiben wird daher noch einmal auf die Dringlichkeit einer Novellierung hingewiesen: „Auch vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung laut Artikel 5 Absatz 2 der Mantelverordnung bereits bis zum 1. August 2025 die Auswirkungen des Vollzugs der Regelungen auf die Verwertung mineralischer Abfälle überprüfen und Folgerungen gegebenenfalls durch Anpassungen der Verordnung umsetzen sollte, bitten wir Sie dringend, unverzüglich zu handeln. Die ursprünglich bekanntgegebene Zeitschiene des BMUKN, eine Novelle der ErsatzbaustoffV erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 anzustoßen, ist mit dem Erkenntnisgewinn aus dem Planspiel 2.0 und der Forderung der UMK nicht vereinbar.“

Das Schreiben haben unterzeichnet die Bundesgemeinschaft Recycling-Baustoffe (BGRB), der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG), der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (MIRO), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), die Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe (BRB), der Deutsche Abbruchverband (DA), die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW), die Gütegemeinschaft Metallhüttenschlacken (GGMHS), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), die Interessensgemeinschaft der Aufbereiter und Verwerter von Müllverbrennungsschlacken (IGAM), die Interessensgemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD), der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sowie das FEhS – Institut für Baustoff-Forschung.

Vor dem Spitzengespräch der Verbände mit Bundesbauministerin Verena Hubertz zieht der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) eine erste Zwischenbilanz zur Baupolitik der schwarz-roten Bundesregierung. Trotz einiger Fortschritte bleibe der Handlungsdruck hoch. „Die Lage am Bau ist weiterhin ernst. Immerhin, das Grundgerüst für den baukonjunkturellen Aufschwung steht, es braucht jetzt aber deutlich mehr Tempo.“, sagt BBS-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs. Die Branche kämpfe weiter mit den Folgen eines massiven Einbruchs: Zwischen 2021 und 2024 ging die Baustoffproduktion um rund 25 Prozent zurück und verharrt seither auf niedrigem Niveau.

Besonders angespannt ist die Lage bei Unternehmen, die überwiegend in den Wohnungsbau liefern. Werksschließungen und Kurzarbeit prägen seit Jahren den Alltag. Gleichzeitig sieht die Industrie Chancen – vorausgesetzt, die Politik setze ihre jüngsten Beschlüsse schnell in die Praxis um. Ein zentrales Signal ist aus Sicht des bbs der Bau-Turbo, der Kommunen bis Ende 2030 beim Wohnungsbau u.a. Abweichungen vom Bauplanungsrecht ermöglicht, um Projekte zu beschleunigen. Hinzu kommen die vom Haushaltsausschuss freigegebenen 800 Millionen Euro zur Aktivierung des Bauüberhangs. „Bereits genehmigte Wohnungen können am schnellsten gebaut werden – die temporäre EH55-Förderung ist eine Brücke, die wir brauchen, bis der Bau-Turbo Wirkung entfaltet“, so Frederichs.

Der Verband fordert zugleich eine zügige Bündelung der Förderlandschaft. Das aktuelle „Förderdickicht“ sei für Bauherren kaum zu überblicken – und damit ein Bremsklotz für Investitionen. Skeptisch sieht der Verband die veröffentlichten Eckpunkte zum Gebäudetyp E. Der Grundgedanke, auf einen Teil der üblichen technischen, planerischen und dokumentarischen Anforderungen zu verzichten, sei zwar gut gemeint. Jedoch fehle es bisher an einer rechtssicheren Umsetzung für den Wohnungsbau.

Deutliche Kritik übt der bbs an Verzögerungen bei weiteren zentralen Vorhaben. Die Branche warte seit Wochen auf den Start der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes sowie auf den Beginn der nationalen Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie. „Nach den Debatten um das Heizungsgesetz sitzt die Bundesregierung hier auf einem Pulverfass. Die Umsetzung muss planungssicher und sozialverträglich erfolgen“, warnt Frederichs. Auch die 2025 geplante Reform des Baugesetzbuchs müsse mehr Tempo aufnehmen – und die heimische Rohstoffgewinnung als Voraussetzung für den Wohnungsbau stärker berücksichtigen. Kaum Fortschritte sieht der Verband im Bereich Kreislaufwirtschaft. Wichtige Gesetzesinitiativen, etwa ein Abfallende für qualitätsgesicherte Sekundärbaustoffe, stünden seit Jahren aus. Politisch sei hier laut Frederichs „wenig bis gar keine Bewegung.“

Für 2026 fordert der bbs im ersten Schritt eine zügige Umsetzung der geplanten Vorhaben. „Bis wir aus der Baukrise herauskommen, liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.“ so Frederichs.

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