Konjunktur

Rohstoff­versorgung

Welche heimischen Rohstoffe werden in Deutschland gewonnen, wie entwickelt sich die Rohstoffnachfrage bis 2040, und wie sieht es bei der Verwertung mineralischer Bauabfälle aus?

Rohstoffgewinnung

Die Baustoff-Steine-Erden-Industrie hat 2024 in Deutschland rund 475 Mio. t mineralische Rohstoffe gewonnen. Bezogen auf die Menge entfällt der mit Abstand größte Anteil der insgesamt gewonnenen Rohstoffe auf Steine und Erden
(rund 85 %). Damit kann der weit überwiegende Teil des Steine-Erden-Bedarfs aus heimischen Quellen gedeckt werden – im Gegensatz etwa zu Energierohstoffen und Erzen. Die Flächeninanspruchnahme ist dabei gering und temporär begrenzt: Die jährlich genutzten Abbauflächen beanspruchen einen Anteil von 0,004 % der Landesfläche (Quelle: BGR). Der Abbau von Primärrohstoffen wird ergänzt durch die Gewinnung von knapp 100 Mio. t Sekundärrohstoffen (Recyclingbaustoffe, Kraftwerks- und industrielle Nebenprodukte) pro Jahr. Diese können die Primärrohstoffe in Teilen substituieren. Damit trägt die Steine-Erden-Industrie aktiv zur Ressourcenschonung bei.

Rohstoffe der Baustoff-Steine-Erden-Industrie in Deutschland

in Mio. t, 2024
Primärrohstoffe insgesamt: 474,2 Mio. t
Sekundärrohstoffe insgesamt: 96,0 Mio. t
Substitutionsquote: 16,8 %
Primärrohstoffe
Sekundärrohstoffe
Anmerkung

* für dieZementherstellung
** Ziegelton, Spezialton (verwertbare Förderung),
Ton für die Zementherstellung
*** verwertbare Förderung
****2022

Langfristige Rohstoffnachfrage

Die langfristige Nachfrage nach mineralischen Primärrohstoffen wird durch die Baunachfrage und das Angebot von Sekundärrohstoffen determiniert. Die Ergebnisse einer auf der BBS-Rohstoffstudie basierenden Kurzanalyse des RWI zeigen, dass der Bedarf an primären Steine-Erden-Rohstoffen je nach wirtschaftlichem Szenario 2030 bei knapp 540 bis 580 Mio. t liegt. Berechnet wurden zwei Szenarien – ein Referenzszenario, das sich entsprechend dem verringerten Potenzialwachstum der Volkswirtschaft durch eine eher geringe Wachstumsrate des BIP und des Bauvolumens auszeichnet; und ein Szenario, das durch verstärkte Impulse durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) charakterisiert ist. Es zeigt sich, dass die durch das Sondervermögen ausgelösten Infrastrukturinvestitionen jährlich bis zu 45 Mio. t mehr Primärrohstoffe als im Referenzszenario benötigt werden. Im Jahr 2040 beträgt die Differenz zwischen bei Szenarien noch knapp 30 Mio. t. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen dürfte je nach wirtschaftlicher Entwicklung im Jahr 2040 bei 91 bis 93 Mio. t liegen. Mit der Dekarbonisierung der Volkswirtschaft (u.a. Kohleausstieg) wird das Angebot an Sekundärrohstoffen zurückgehen. Durch eine weitere Optimierung der Bauabfall-Verwertung kann ein partieller Ausgleich geschaffen werden, sodass die Sekundärstoffquote (2022: 15 %) gehalten werden kann.

Nachfrage nach primären Steine-Erden-Rohstoffen und Aufkommen an Sekundärrohstoffen

bis 2040, in Mio. t
Referenzszenario
SVIK-Szenario
Primärrohstoffe
Sekundärstoffe
Sekundärstoffquote
Quelle:
RWI-Studie “Auswirkungen des „SondervermögensInfrastruktur und Klimaneutralität” (SVIK) auf die Baustoffnachfrage inDeutschland“ (2026)

Verwertung von Baurestmassen und Baustoffrecycling

Baustoffindustrie und Bauwirtschaft agieren bereits seit Jahren vorbildlich im Hinblick auf die stoffliche Verwertung anfallender Restmassen sowie den Einsatz von Recyclingmaterialien und anderen Sekundärrohstoffen. Im Jahr 2022 fielen insgesamt 207,9 Mio. t mineralische Bauabfälle an, von denen rund 58,7 % auf Boden und Steine, 26,6 % auf Bauschutt, 8,2 % auf Straßenaufbruch, 0,3 % auf Bauabfälle auf Gipsbasis und 6,2 % auf Baustellenabfälle entfielen. Von der Gesamtmenge des anfallenden Materials werden gut 90 % recycelt oder anderweitig verwertet; nur ca. 10 % müssen deponiert oder anderweitig entsorgt werden. Damit leistet die Branche einen unverzichtbaren Beitrag zur Ressourcenschonung, denn ohne den Einsatz von Baurestmassen als Sekundärrohstoff müssten Primärrohstoffe den entsprechenden Materialbedarf decken. In Bezug auf den Gesamtbedarf an Gesteinskörnungen (2022: 564 Mio. t) konnten 13,3 % durch Recyclingbaustoffe und 4,6 % durch andere Sekundärrohstoffe aus der Industrie (z.B. Schlacken, Aschen) gedeckt werden.

Statistisch erfasste Mengen mineralischer Bauabfälle

2022, in Mio. t, Anfall insgesamt: 207,9 Mio. t
Boden und Steine — 58,7 %
Bauschutt — 26,6 %
Straßenaufbruch — 8,2 %
Bauabfälle auf Gipsbasis — 0,3 %
Baustellenabfälle — 6,2 %