Rohstoffe

Absturz oder Aufschwung?

Trotz guter Ansätze bleibt die heimische Rohstoffgewinnung beim Thema Planungsbeschleunigung weiter außen vor. Der Konkurrenzkampf um eine effiziente Flächennutzung ist durch diverse politische Gesetzesinitiativen eröffnet.

„Wir werden die Gewinnung heimischer Rohstoffe unterstützen und hierfür die rechtlichen Genehmigungen erleichtern, pragmatisch unter Wahrung der Umwelt- und Sozialstandards“, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Gesetzentwürfe im Bundestag zum Infrastruktur-Zukunftsgesetz und zur Novellierung des Baugesetzbuchs sehen vor, Infrastrukturprojekte und Wohnungsbau als überragendes öffentliches Interesse anzuerkennen. Das ist ein starkes Signal. Doch leider wird hierbei der Beginn der Wertschöpfungskette – also die Rohstoffgewinnung – außen vor gelassen.

Entsprechend hoch war die Erwartung, als das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gemeinsam mit den Staatssekretären aus vier weiteren Bundesministerien im Februar eingeladen hatte, um über rechtliche Anpassungen zu diskutieren, die den Rohstoffabbau in Deutschland erleichtern würden. Unsere gemeinsam mit den anderen Rohstoffverbänden artikulierte Forderung war klar: Wenn bereits die meisten Flächenkonkurrenzen als überragendes öffentliches Interesse definiert sind, muss auch die heimische Rohstoffgewinnung als solche anerkannt werden. Nur so kann die Grundlage für weitere Beschleunigungen von Planungs- und Genehmigungsverfahren und damit für einen rohstoffpolitischen Aufschwung geschaffen werden.

Parlamentarischer Staatssekretär Stefan Rouenhoff MdB gemeinsam mit VDPM-Präsident Christoph Dorn
Ansprechpartner
Wolf Müller, Geschäftsführer Recht
w.mueller@bvbaustoffe.de

Rohstoffwirtschaft unter Druck

Während seitdem rechtlich nichts passiert ist, hat sich die politische Lage erheblich verschlechtert. Im Zuge der oben genannten BauGB-Novelle, die auch Änderungen im Raumordnungsgesetz vorsieht, droht die Chance verpasst zu werden, die Lage für die Betriebe vor Ort zu verbessern. Noch größere Sorgen bereitet jedoch das geplante Natur-Infrastruktur-Gesetz, das verschiedene Naturschutzgüter im überragendes öffentliches Interesse definieren sowie zusätzliche Einzelprüfungen und erhöhte Kompensations- und Ersatzgeldanforderungen vorsehen könnte. Sollte dieses Gesetz umgesetzt werden, dürfte es nahezu unmöglich sein, noch neue Flächen genehmigt zu bekommen. Die Folge wäre ein beispielsloser Absturz für die heimische Rohstoffgewinnung. Umso wichtiger ist es daher, hier gemeinsam mit weiteren Verbänden zu intervenieren.

Daneben gibt es die europäische Ebene. Während die ersten Omnibusverfahren bereits Fahrt aufgenommen hatten, beschloss das Europäische Parlament die EU-Bodenschutzrichtlinie (Soil Monitoring Law), die über ein reines Bodenmonitoring hinausgeht und durch restriktive Vorgaben und doppelte Regulierung zu unverhältnismäßigen Belastungen für Industrie, Rohstoffgewinnung und Landwirtschaft führt. Gemeinsam mit den anderen Rohstoffverbänden erarbeitet der BBS aktuell ein juristisches Gutachten, wie das Soil Monitoring Law möglichst schlank in nationales Recht überführt werden könnte.

Bis zu
45 Mio. t
werden zusätzlich pro Jahr wegen des Infrastruktur-Sondervermögens benötigt

Rohstoffnachfrage nimmt wegen Sondervermögen zu

Unabhängig von der politischen Debatte der kommenden Monate ist klar, dass Deutschland perspektivisch mehr mineralische Rohstoffe brauchen wird. Um zu quantifizieren, welcher zusätzliche Bedarf an Baurohstoffen im Rahmen des Infrastruktur-Sondervermögens (SVIK) erforderlich wird, hat der BBS im Frühjahr seine 2025 veröffentlichte Rohstoffstudie aktualisieren lassen. Ausgehend von einer Primärrohstoffgewinnung 2022 von 554 Mio. Tonnen dürfte die Rohstoffnachfrage durch das SVIK bis 2030 auf 583 Mio. Tonnen steigen und damit 45 Mio. Tonnen oberhalb des Szenarios ohne SVIK liegen. Auch in den Folgejahren dürfte sich dieser Effekt fortsetzen: 2035 läge die Nachfrage um 43 Mio t., 2040 noch um 29 Mio t. über dem Szenario ohne Sondervermögen.

Neuordnung der Verbandsgremien

Nachdem die BBS-Ausschüsse Rohstoffe und Recht jahrelang gemeinsam getagt hatten, sind diese beide Gremien im Frühjahr 2026 durch die Neugründung des Ausschusses Rohstoffe zusammengeführt worden. In Nachfolge der beiden langjährigen Vorsitzenden – Dr. Thomas Pütter (Rohstoffe) und Benedikt Jodocy (Recht) – wurde Dr. Wolfram Schwetzel als neuer Sprecher gewählt. Außerdem überarbeitet ein neuer Arbeitskreis Raumordnung derzeit die Verbandspositionen zu Raumordnungs- und Regionalplanungsfragen – ein zentrales Themenfeld unserer Branche.

— Veröffentlicht im Juni 2026  | FOTO: Quarzwerke GmbH

Links

  Gemeinsame Erklärung Natur-Infrastruktur-Gesetz
  RWI-Kurzstudie Sondervermögen und Rohstoffgewinnung
  Rohstoffstudie 2045

Botschaften

Heimische Rohstoffgewinnung als überragendes öffentliches Interesse

Ablehnung des Natur-Infrastruktur-Gesetzes

‒ Verbandsklagerecht einschränken
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