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7.7.2026

„Sargnagel für die heimische Rohstoffversorgung“ – Baustoffverband warnt vor Natur-Infrastruktur-Gesetz

Trotz weltweit höchster Standards will die Bundesregierung mitten in der Wirtschaftskrise den Naturschutz weiter stärken. Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) warnt vor erheblichen Folgen für die heimische Rohstoffversorgung. In weiten Teilen Deutschlands drohen zusätzliche Hürden bis hin zu faktischen Genehmigungsausschlüssen.

Berlin, Juni 2026 – Ob Infrastruktur, Wohnungsbau oder Rohstoffgewinnung: Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sind längst zu einem strukturellen Standortproblem in Deutschland geworden. Diese Lage droht sich nun weiter zu verschärfen. Mit dem zur Verbändeanhörung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur und zur Fortentwicklung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung – kurz: Natur-Infrastruktur-Gesetz – soll der Naturschutz gegenüber wirtschaftlichen Belangen erheblich aufgewertet werden. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden e.V., Dachverband der mineralischen Roh- und Baustoffindustrie, könnte das Gesetz die Versorgung mit heimischen Baurohstoffen erheblich erschweren.

„Das Natur-Infrastruktur-Gesetz trifft die Unternehmen mitten in der Wirtschaftskrise und damit zum völlig falschen Zeitpunkt“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Die Branche unterstütze zwar ausdrücklich einen wirksamen Natur- und Umweltschutz. Jedoch verfüge Deutschland bereits heute über sehr hohe Natur- und Umweltstandards. Eine weitere Verschärfung sei daher mit Blick auf die wirtschaftliche Lage nicht verhältnismäßig. Kritisch bewertet der Verband insbesondere das geplante überragende öffentliche Interesse für bestimmte Bereiche des Naturschutzes, die Schaffung einer neuen Rechtskategorie „natürliche Infrastruktur“ sowie die pauschale Erhöhung von Ersatzzahlungen. „Noch längere und teurere Genehmigungsverfahren wären damit vorprogrammiert“, so Frederichs.

Der BBS verweist darauf, dass für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der erneuerbaren Energien gerade erst neue Regeln zur Planungsbeschleunigung geschaffen wurden. Diese Bemühungen drohten nun konterkariert zu werden. Noch gravierender seien die Auswirkungen jedoch für wirtschaftliche Bereiche, die bislang nicht von entsprechenden Beschleunigungsregelungen profitieren. „Für mittelständisch geprägte Branchen wie die heimische Rohstoffindustrie ist trotz zahlreicher politischer Versprechen weiterhin kein Gesetz zur Planungsbeschleunigung geplant. Die Unternehmen kämpfen bereits heute mit Planungs- und Genehmigungsverfahren, die nicht selten mehr als zehn Jahre dauern. Wenn nun in großflächig zusätzliche naturschutzrechtliche Hürden aufgebaut werden, droht in Teilen des Landes ein faktischer Genehmigungsausschluss“, warnt Frederichs. Baustoff-Recycling werde zwar weiterhin entschlossen vorangetrieben, in der Praxis reichen die Mengen von Sekundärstoffen jedoch bei Weitem nicht aus.

Für das weitere gesetzgeberische Verfahren fordert der BBS eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs. Naturschutz bleibe wichtig, dürfe aber nicht pauschal über andere öffentliche Interessen gestellt werden. Rohstoffversorgung, bezahlbares Bauen, Infrastrukturmodernisierung und industrielle Wertschöpfung seien ebenfalls zentrale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des Landes. „Schon die Tatsache, dass ein solcher Entwurf politisch ernsthaft vorangetrieben wird, sendet ein verheerendes Signal an Unternehmen und Investoren“, sagt Frederichs und findet deutliche Worte, „das Natur-Infrastruktur-Gesetz wäre in der vorliegenden Form ein Sargnagel fürdie heimische Rohstoffversorgung.“ Wer Investitionen in heimische Standorte erwarte, müsse Genehmigungen erleichtern, statt neue Unsicherheiten zu schaffen.

Nach Jahren der Rezession rechnet der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) für 2026 nur noch mit einer stagnierenden Produktion. Damit korrigiert der Verband seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose von plus 2 Prozent wieder nach unten, wie BBS-Präsident Dr. Dominik von Achten auf der diesjährigen Jahrestagung erklärt.

„Die Hauptgründe für die Stagnation der Baustoffproduktion liegen auf der Hand: Ein relativ langer Winter sowie die Verunsicherung der Märkte durch die volatile geopolitische Lage und die ausbleibenden Reformen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau. 2026 ist weiterhin nicht mit einer Erholung der Baustoffproduktion zu rechnen“, fasst von Achten die aktuelle Lage zusammen. Besonders frustrierend sei, dass der Bedarf weiterhin hoch bleibe: „Die marode Infrastruktur verfällt weiter, wir haben den niedrigsten Stand an neuen Wohnungen seit zwölf Jahren und auch bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf.“

Von politischer Seite sei der Handlungswille zwar erkennbar, die Umsetzung dauere jedoch insgesamt viel zu lange. So habe das Gesetz zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben zu lange im Bundestag gelegen. Auch die Schaffung des inzwischen vorhandenen rechtlichen Rahmens für die Speicherung von CO₂ habe Jahre in Anspruch genommen. Große Sorge bereitet von Achten insbesondere die Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur: „Zu Beginn war der Deal klar - historische Verschuldung gegen mutige Reformen. Wenn jetzt allerdings nicht zügig reformiert wird, droht das Sondervermögen, ohne spürbaren volkswirtschaftlichen Effekt zu versickern. Das wäre das Worst-Case-Szenario.“

Zumindest im Bereich der Energiepolitik habe die Bundesregierung nach Auffassung des BBS-Präsidenten geliefert. Die im Koalitionsvertrag enthaltenen Entlastungen seien zügig umgesetzt worden. „Man sieht: Handlungsfähigkeit ist möglich, wenn alle politischen Akteure mitziehen“, so von Achten. Absolutes Unverständnis äußert er hingegen mit Blick auf das geplante Gesetz zur natürlichen Infrastruktur. Der Entwurf sieht als Antwort auf die Planungsbeschleunigung im Infrastrukturbereich unter anderem vor, verschiedene Bereiche des Naturschutzes als überragendes öffentliches Interesse zu definieren und damit die Flächenkonkurrenzen weiter zu verschärfen. Für Steine-Erden-Unternehmen, die in den kommenden Jahren Folgegenehmigungen zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen anstreben, wäre das Gesetz in seiner jetzigen Form eine rohstoffpolitische Katastrophe. Deutschlands Industrie, so von Achten, kann nur aus seinem wirtschaftspolitischen Tief herauskommen, wenn die politische Prioritätensetzung auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgerichtet werde.

Parlamentarischer Abend im Zeichen der industriellen Wettbewerbsfähigkeit
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung hat der BBS erneut zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen. Vor rund 130 Gästen diskutierte Präsident von Achten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland, das Sondervermögen Infrastruktur sowie die Herausforderungen der industriellen Transformation.

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Das statistische Bundesamt hat bekanntgegeben, dass in 2025 206 600 Wohnungen 2025 fertiggestellt wurden. BBS-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs ordnet die Zahlen ein:

"Fehlender Wohnraum ist die soziale Krise unserer Zeit. Aktuelle Rahmenbedingungen und geopolitische Konflikte drohen die Lage im Wohnungsbau sogar noch zu verschärfen. Die Zahlen zur Wohnungsfertigstellung 2025 zeigen, dass jährlich mindestens 100.000 Wohneinheiten zu wenig gebaut werden. Damit gehen kontinuierlich auch wirtschaftliche Kapazitäten verloren, die wir als Gesellschaft heute und morgen dringend brauchen. Die bisherigen baupolitischen Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es braucht dringend einen baupolitischen Befreiungsschlag.“

Im Rahmen eines Verbändebündnisses beteiligt sich der BBS am Wohnungsbau-Appell 2026 und fordert unter anderem:

  1. Einen neuen gesellschaftlichen Konsens für den Wohnungsbau
  2. Die Sicherstellung verlässlicher Förderpolitik
  3. Die Verbesserung steuerlicher Rahmenbedingungen
  4. Die Sicherstellung stabiler Finanzierung
  5. Fokussierung beim Gebäudetyp E
  6. Keine unnötige Verschärfung der Mietenregulierung

Die Krise im Wohnungsbau dauert weiter an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit über 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf nur noch gut 200.000 Wohnungen zurück-fallen. Um die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zu entschärfen, braucht es schnellst-möglich eine zielgerichtetere Förderpolitik. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigt Leitplanken für eine solche neue Förderkulisse auf.

„Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Die sozialen Folgen sind für die Bevölkerung längst spürbar. Deshalb müssen wir künftig so gezielt fördern wie möglich.“ Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur geleistet werden. Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Autor der Studie, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“

Ein Förderschwerpunkt sollte auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungs-marktes in Krisenzeiten liegen. Mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung sei zwar ein entsprechendes Instrument geschaffen worden, dieses habe aufgrund zu strenger Konditionen bislang jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert daher, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderkonditionen weiter nachzubessern. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs. Als mögliche Hebel nennt er unter anderem eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro pro Wohnung sowie praxistauglichere Regelungen zum definierten Vorhabenbeginn. Als weiteres zentrales Handlungsfeld benennt die Studie Wohneigentumsbildung. Angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie die Einführung von KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite.

Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme notwendig, um energetische Sanierungen voranzutreiben. Der Fokus sollte künftig stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs. Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollten laut Studie auch Technologievorhaben zur Steigerung der Produktivität gefördert werden – etwa bei der Entwicklung von Produktinnovationen.

Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie die Notwendigkeit struktureller Reformen, um einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen zu ermöglichen.  “Die Über-führung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.

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