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25.6.2026

Baustoffindustrie senkt Prognose für 2026 und fordert mehr Reformtempo

Nach Jahren der Rezession rechnet der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS) für 2026 nur noch mit einer stagnierenden Produktion. Damit korrigiert der Verband seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose von plus 2 Prozent wieder nach unten, wie BBS-Präsident Dr. Dominik von Achten auf der diesjährigen Jahrestagung erklärt.

„Die Hauptgründe für die Stagnation der Baustoffproduktion liegen auf der Hand: Ein relativ langer Winter sowie die Verunsicherung der Märkte durch die volatile geopolitische Lage und die ausbleibenden Reformen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau. 2026 ist weiterhin nicht mit einer Erholung der Baustoffproduktion zu rechnen“, fasst von Achten die aktuelle Lage zusammen. Besonders frustrierend sei, dass der Bedarf weiterhin hoch bleibe: „Die marode Infrastruktur verfällt weiter, wir haben den niedrigsten Stand an neuen Wohnungen seit zwölf Jahren und auch bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf.“

Von politischer Seite sei der Handlungswille zwar erkennbar, die Umsetzung dauere jedoch insgesamt viel zu lange. So habe das Gesetz zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben zu lange im Bundestag gelegen. Auch die Schaffung des inzwischen vorhandenen rechtlichen Rahmens für die Speicherung von CO₂ habe Jahre in Anspruch genommen. Große Sorge bereitet von Achten insbesondere die Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur: „Zu Beginn war der Deal klar - historische Verschuldung gegen mutige Reformen. Wenn jetzt allerdings nicht zügig reformiert wird, droht das Sondervermögen, ohne spürbaren volkswirtschaftlichen Effekt zu versickern. Das wäre das Worst-Case-Szenario.“

Zumindest im Bereich der Energiepolitik habe die Bundesregierung nach Auffassung des BBS-Präsidenten geliefert. Die im Koalitionsvertrag enthaltenen Entlastungen seien zügig umgesetzt worden. „Man sieht: Handlungsfähigkeit ist möglich, wenn alle politischen Akteure mitziehen“, so von Achten. Absolutes Unverständnis äußert er hingegen mit Blick auf das geplante Gesetz zur natürlichen Infrastruktur. Der Entwurf sieht als Antwort auf die Planungsbeschleunigung im Infrastrukturbereich unter anderem vor, verschiedene Bereiche des Naturschutzes als überragendes öffentliches Interesse zu definieren und damit die Flächenkonkurrenzen weiter zu verschärfen. Für Steine-Erden-Unternehmen, die in den kommenden Jahren Folgegenehmigungen zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen anstreben, wäre das Gesetz in seiner jetzigen Form eine rohstoffpolitische Katastrophe. Deutschlands Industrie, so von Achten, kann nur aus seinem wirtschaftspolitischen Tief herauskommen, wenn die politische Prioritätensetzung auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgerichtet werde.

Parlamentarischer Abend im Zeichen der industriellen Wettbewerbsfähigkeit
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung hat der BBS erneut zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen. Vor rund 130 Gästen diskutierte Präsident von Achten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland, das Sondervermögen Infrastruktur sowie die Herausforderungen der industriellen Transformation.

Das statistische Bundesamt hat bekanntgegeben, dass in 2025 206 600 Wohnungen 2025 fertiggestellt wurden. BBS-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs ordnet die Zahlen ein:

"Fehlender Wohnraum ist die soziale Krise unserer Zeit. Aktuelle Rahmenbedingungen und geopolitische Konflikte drohen die Lage im Wohnungsbau sogar noch zu verschärfen. Die Zahlen zur Wohnungsfertigstellung 2025 zeigen, dass jährlich mindestens 100.000 Wohneinheiten zu wenig gebaut werden. Damit gehen kontinuierlich auch wirtschaftliche Kapazitäten verloren, die wir als Gesellschaft heute und morgen dringend brauchen. Die bisherigen baupolitischen Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es braucht dringend einen baupolitischen Befreiungsschlag.“

Im Rahmen eines Verbändebündnisses beteiligt sich der BBS am Wohnungsbau-Appell 2026 und fordert unter anderem:

  1. Einen neuen gesellschaftlichen Konsens für den Wohnungsbau
  2. Die Sicherstellung verlässlicher Förderpolitik
  3. Die Verbesserung steuerlicher Rahmenbedingungen
  4. Die Sicherstellung stabiler Finanzierung
  5. Fokussierung beim Gebäudetyp E
  6. Keine unnötige Verschärfung der Mietenregulierung

Die Krise im Wohnungsbau dauert weiter an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit über 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf nur noch gut 200.000 Wohnungen zurück-fallen. Um die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zu entschärfen, braucht es schnellst-möglich eine zielgerichtetere Förderpolitik. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigt Leitplanken für eine solche neue Förderkulisse auf.

„Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Die sozialen Folgen sind für die Bevölkerung längst spürbar. Deshalb müssen wir künftig so gezielt fördern wie möglich.“ Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur geleistet werden. Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Autor der Studie, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“

Ein Förderschwerpunkt sollte auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungs-marktes in Krisenzeiten liegen. Mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung sei zwar ein entsprechendes Instrument geschaffen worden, dieses habe aufgrund zu strenger Konditionen bislang jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert daher, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderkonditionen weiter nachzubessern. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs. Als mögliche Hebel nennt er unter anderem eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro pro Wohnung sowie praxistauglichere Regelungen zum definierten Vorhabenbeginn. Als weiteres zentrales Handlungsfeld benennt die Studie Wohneigentumsbildung. Angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie die Einführung von KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite.

Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme notwendig, um energetische Sanierungen voranzutreiben. Der Fokus sollte künftig stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs. Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollten laut Studie auch Technologievorhaben zur Steigerung der Produktivität gefördert werden – etwa bei der Entwicklung von Produktinnovationen.

Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie die Notwendigkeit struktureller Reformen, um einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen zu ermöglichen.  “Die Über-führung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.

Berlin, März 2026 – Das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) wird deutlich weniger wirtschaftliche Impulse auslösen als politisch erwartet. Grund ist die Zweckentfremdung der Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS).

Die Autoren gehen davon aus, dass rund 40 Prozent der Mittel des SVIK über die gesamte Laufzeit von 12 Jahren tatsächlich zusätzliche Investitionen auslösen. Der Rest ersetzt bereits geplante Ausgaben oder kompensiert Kürzungen im regulären Bundeshaushalt. Dadurch fällt der gesamtwirtschaftliche Effekt nur gering aus: Das Bruttoinlandsprodukt wächst laut Studie mit SVIK im Durchschnitt lediglich um 0,2 Prozent pro Jahr stärker als ohne Sondervermögen.  

„Angesichts der historischen Verschuldung ist das ein ernüchterndes Ergebnis“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Wenn die Mittel lediglich bestehende Haushaltslöcher stopfen, wird aus dem Sondervermögen kein Wachstumstreiber.“ Der Verband verweist mit Sorge auf die jüngeren Untersuchungen des IW Köln und des ifo-Institutes und fordert deshalb eine konsequente Zusätzlichkeit der Investitionen. „Die Mittel müssen vollständig zusätzlich eingesetzt werden – ohne Kürzungen im Kernhaushalt. Spätestens im Bundeshaushalt 2027 muss die Bundesregierung dafür sorgen“, so Frederichs. Ebenso entscheidend seien deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine abgestimmte Investitionsplanung. Zwar befinden sich Beschleunigungsmaßnahmen wie das Infrastruktur-Zukunftsgesetz oder Änderungen im Umweltrechtsbehelfsgesetz im politischen Verfahren. „Doch die Wirkung droht durch politische Kompromisse verwässert zu werden. In Teilen von Bundesregierung und Bundestag ist der Ernst der Lage offenbar noch nicht angekommen“, kritisiert Frederichs.

Deutlicher Rohstoffbedarf durch Infrastrukturinvestitionen

Positive Effekte des Sondervermögens zeigen sich aufgrund der Ausrichtung noch am ehesten im Tiefbau. Laut RWI-Studie wachse dieser im Projektionszeitraum im Durchschnitt um 2,0 Prozent pro Jahr – rund 0,4 Prozentpunkte stärker als ohne SVIK. Die zusätzlichen Bauaktivitäten erhöhen zugleich den Bedarf an mineralischen Rohstoffen. Ausgehend von einer Primärrohstoffgewinnung 2022 von 554 Mio. Tonnen dürfte die Rohstoffnachfrage durch das SVIK bis 2030 auf 583 Mio. Tonnen steigen und damit 45 Mio. Tonnen oberhalb des Szenarios ohne SVIK liegen. Auch in den Folgejahren setze sich dieser Effekt fort: 2035 läge die Nachfrage um 43 Millionen Tonnen, 2040 noch um 29 Millionen Tonnen über dem Szenario ohne Sondervermögen.  

Der BBS verweist darauf, dass der Bedarf bei steigender Zusätzlichkeit der Investitionen sogar noch deutlich höher liegen könnte: „Mineralische Rohstoffe sind die Grundlage jeder Infrastruktur. Wenn das Sondervermögen wirken soll, muss auch die Rohstoffgewinnung am Beginn der Wertschöpfungskette Bau politisch mitgedacht werden“, betont Frederichs. Der Verband verweist auf die häufig jahrelang dauernden Planungs- und Genehmigungsverfahren und fordert deshalb, die Rohstoffgewinnung rechtlich zu stärken und (analog zum Ausbau von erneuerbaren Energien) als überragendes öffentliches Interesse einzustufen. Die Bundesregierung plane dies aktuell für Infrastrukturprojekte – ohne jedoch die dafür notwendigen Rohstoffvorhaben mit einzubeziehen. Auch der Einsatz von rund 100 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffen pro Jahr leiste bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffversorgung, könne jedoch den zusätzlichen Bedarf nicht kompensieren, so Frederichs abschließend.

Über die Studie
Die Kurzstudie „Auswirkungen des Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) auf die Baurohstoffnachfrage in Deutschland“ wurde vom RWI im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. erstellt.

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