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5.5.2026

Wohnungsbau in der Krise: Neue Studie fordert Umbau der Förderpolitik

Die Krise im Wohnungsbau dauert weiter an. Trotz eines jährlichen Bedarfs von weit über 300.000 neuen Wohnungen dürfte die Bautätigkeit kurzfristig auf nur noch gut 200.000 Wohnungen zurück-fallen. Um die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zu entschärfen, braucht es schnellst-möglich eine zielgerichtetere Förderpolitik. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigt Leitplanken für eine solche neue Förderkulisse auf.

„Die Krise im Wohnungsbau dürfte sich angesichts der aktuellen geopolitischen Situation weiter fortsetzen und droht, sich strukturell zu verfestigen“, warnt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Die sozialen Folgen sind für die Bevölkerung längst spürbar. Deshalb müssen wir künftig so gezielt fördern wie möglich.“ Mit der Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ soll ein Beitrag zur Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels einer einfacheren Wohnungsbau-Förderarchitektur geleistet werden. Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln und Autor der Studie, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Staatliche Förderung ja – aber nur gezielt, temporär und marktkonform. Statt eines fragmentierten Förderdschungels braucht es eine transparente strategische Architektur entlang von klar definierten Kriterien.“

Ein Förderschwerpunkt sollte auf der temporären Stabilisierung des frei finanzierten Wohnungs-marktes in Krisenzeiten liegen. Mit der zeitlich befristeten EH55-Förderung sei zwar ein entsprechendes Instrument geschaffen worden, dieses habe aufgrund zu strenger Konditionen bislang jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Der BBS fordert daher, das Programm mindestens bis Ende 2026 zu verlängern und die Förderkonditionen weiter nachzubessern. „Ziel sollte es sein, die eingeplanten Mittel bis Jahresende vollständig auszugeben“, sagt Frederichs. Als mögliche Hebel nennt er unter anderem eine Verdoppelung des zinsverbilligten Kreditbetrags auf 200.000 Euro pro Wohnung sowie praxistauglichere Regelungen zum definierten Vorhabenbeginn. Als weiteres zentrales Handlungsfeld benennt die Studie Wohneigentumsbildung. Angesichts hoher Eigenkapitalanforderungen empfiehlt sie die Einführung von KfW-Nachrangdarlehen als Eigenkapitalersatz sowie ergänzende KfW-Grunderwerbsteuerkredite.

Im Bereich Nachhaltigkeit bleiben Förderprogramme notwendig, um energetische Sanierungen voranzutreiben. Der Fokus sollte künftig stärker auf Gebäuden mit der schlechtesten Energieeffizienz liegen. „Die größten Klimaschutzeffekte erzielen wir dort, wo Gebäude energetisch am schlechtesten dastehen. Gerade für diese Gebäude braucht es aufgrund der hohen Sanierungskosten zusätzliche Förderanreize.“, erklärt Frederichs. Der BBS schlägt hierfür einen zusätzlichen Förderbonus von zehn Prozent vor. Zudem sollten laut Studie auch Technologievorhaben zur Steigerung der Produktivität gefördert werden – etwa bei der Entwicklung von Produktinnovationen.

Neben einer Neuordnung der Förderprogramme betont die Studie die Notwendigkeit struktureller Reformen, um einfacheres, kostengünstigeres und schnelleres Bauen zu ermöglichen.  “Die Über-führung des Förder-Wirrwarrs in ein transparentes Zwei-Säulen-Modell bietet gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie dem Gebäudetyp E, der Reform des Bauplanungsrechts und dem bereits existierenden Bau-Turbo die Chance, dem Wohnungsbau neuen Schwung zu verleihen. Angesichts der schwierigen Lage auf den Wohnungsmärkten muss die Bundesregierung hier nun dringend liefern”, so Frederichs.

Berlin, März 2026 – Das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) wird deutlich weniger wirtschaftliche Impulse auslösen als politisch erwartet. Grund ist die Zweckentfremdung der Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. (BBS).

Die Autoren gehen davon aus, dass rund 40 Prozent der Mittel des SVIK über die gesamte Laufzeit von 12 Jahren tatsächlich zusätzliche Investitionen auslösen. Der Rest ersetzt bereits geplante Ausgaben oder kompensiert Kürzungen im regulären Bundeshaushalt. Dadurch fällt der gesamtwirtschaftliche Effekt nur gering aus: Das Bruttoinlandsprodukt wächst laut Studie mit SVIK im Durchschnitt lediglich um 0,2 Prozent pro Jahr stärker als ohne Sondervermögen.  

„Angesichts der historischen Verschuldung ist das ein ernüchterndes Ergebnis“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. „Wenn die Mittel lediglich bestehende Haushaltslöcher stopfen, wird aus dem Sondervermögen kein Wachstumstreiber.“ Der Verband verweist mit Sorge auf die jüngeren Untersuchungen des IW Köln und des ifo-Institutes und fordert deshalb eine konsequente Zusätzlichkeit der Investitionen. „Die Mittel müssen vollständig zusätzlich eingesetzt werden – ohne Kürzungen im Kernhaushalt. Spätestens im Bundeshaushalt 2027 muss die Bundesregierung dafür sorgen“, so Frederichs. Ebenso entscheidend seien deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine abgestimmte Investitionsplanung. Zwar befinden sich Beschleunigungsmaßnahmen wie das Infrastruktur-Zukunftsgesetz oder Änderungen im Umweltrechtsbehelfsgesetz im politischen Verfahren. „Doch die Wirkung droht durch politische Kompromisse verwässert zu werden. In Teilen von Bundesregierung und Bundestag ist der Ernst der Lage offenbar noch nicht angekommen“, kritisiert Frederichs.

Deutlicher Rohstoffbedarf durch Infrastrukturinvestitionen

Positive Effekte des Sondervermögens zeigen sich aufgrund der Ausrichtung noch am ehesten im Tiefbau. Laut RWI-Studie wachse dieser im Projektionszeitraum im Durchschnitt um 2,0 Prozent pro Jahr – rund 0,4 Prozentpunkte stärker als ohne SVIK. Die zusätzlichen Bauaktivitäten erhöhen zugleich den Bedarf an mineralischen Rohstoffen. Ausgehend von einer Primärrohstoffgewinnung 2022 von 554 Mio. Tonnen dürfte die Rohstoffnachfrage durch das SVIK bis 2030 auf 583 Mio. Tonnen steigen und damit 45 Mio. Tonnen oberhalb des Szenarios ohne SVIK liegen. Auch in den Folgejahren setze sich dieser Effekt fort: 2035 läge die Nachfrage um 43 Millionen Tonnen, 2040 noch um 29 Millionen Tonnen über dem Szenario ohne Sondervermögen.  

Der BBS verweist darauf, dass der Bedarf bei steigender Zusätzlichkeit der Investitionen sogar noch deutlich höher liegen könnte: „Mineralische Rohstoffe sind die Grundlage jeder Infrastruktur. Wenn das Sondervermögen wirken soll, muss auch die Rohstoffgewinnung am Beginn der Wertschöpfungskette Bau politisch mitgedacht werden“, betont Frederichs. Der Verband verweist auf die häufig jahrelang dauernden Planungs- und Genehmigungsverfahren und fordert deshalb, die Rohstoffgewinnung rechtlich zu stärken und (analog zum Ausbau von erneuerbaren Energien) als überragendes öffentliches Interesse einzustufen. Die Bundesregierung plane dies aktuell für Infrastrukturprojekte – ohne jedoch die dafür notwendigen Rohstoffvorhaben mit einzubeziehen. Auch der Einsatz von rund 100 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffen pro Jahr leiste bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffversorgung, könne jedoch den zusätzlichen Bedarf nicht kompensieren, so Frederichs abschließend.

Über die Studie
Die Kurzstudie „Auswirkungen des Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) auf die Baurohstoffnachfrage in Deutschland“ wurde vom RWI im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. erstellt.

Nach drei Jahren rückläufiger Entwicklung hat sich die Baustoffproduktion in Deutschland im Jahr 2025 stabilisiert. Kalenderbereinigt verzeichnete die Branche laut Statistischem Bundesamt ein Wachstum von 1,2 Prozent. Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V. (BBS), der rund 25 Branchenverbände mit etwa 4.000 Unternehmen vertritt, wertet dieses Ergebnis als erstes Aufbruchssignal, fordert aber zugleich mehr Tempo bei der Umsetzung politischer Vorhaben.

„Das Wachstum von 1,2 Prozent ist ein Lichtblick“, sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Angesichts der Produktionsrückgänge von insgesamt fast 25 Prozent in den vergangenen Jahren sei dies jedoch noch kein Wendepunkt. „Von einer nachhaltigen Erholung zu sprechen, wäre deutlich verfrüht. Denn auch wenn der freie Fall gestoppt ist, gilt weiterhin die Devise: Durchhalten.“ Zwischen den einzelnen Baustoffsektoren zeigten sich im Jahr 2025 moderate Unterschiede. Zuwächse zeichnen sich etwa in den Bereichen ab, die aufgrund der Wohnungsbaukrise zuvor von hohen Rückgangsraten geprägt waren wie z. B. der Mauerwerksbau mit Wandbaustoffen wie Mauerziegeln, Kalksandstein und Porenbeton. Während auch die Gewinnung von Kies, Sand und Naturstein sowie die Produktion von Gipserzeugnissen leicht zulegten, gingen die Produktion von Zement, Kalk und Mörtel im Vorjahresvergleich weiter zurück.

Nachhaltige Erholung braucht politische Entscheidungen
Für eine dauerhafte Erholung der Baustoffindustrie braucht es aus Sicht des BBS mehr Aufbruchsstimmung – sowohl am Bau als auch in der Gesamtwirtschaft. Dafür sei entschlossenes politisches Handeln entscheidend. „2025 war geprägt von Ankündigungen, 2026 muss das Entscheidungsjahr werden“, so Frederichs. Nach solider Vorarbeit drohe die Bundesregierung zunehmend im Klein-Klein stecken zu bleiben. Zahlreiche Gesetze mit tragfähigen Entwürfen verharrten entweder im Kabinett oder im Bundestag. „Die Reformwilligen müssen sich endlich durchsetzen“, fordert Frederichs. So mahnt der Verband zur Eile beim Infrastruktur-Zukunftsgesetz, damit die zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen endlich wirksam verbaut werden können. Auch die anhaltende Unsicherheit rund um das Gebäudeenergiegesetz koste am Ende wirtschaftliche Dynamik. Im Wohnungsbau habe die Bundesregierung mit dem EH55-Förderprogramm und dem Bau-Turbo zwar Handlungsfähigkeit bewiesen, diese Impulse reichen aber bei Weitem nicht aus.

Verband erwartet Wachstum von 2 Prozent in 2026
Für das Jahr 2026 ist die Mission der Branche aus Sicht des BBS klar: „Wir machen das, was wir am besten können: Baustoffe produzieren, Wertschöpfung erhalten und Lebensqualität sichern.“ Die Politik sieht Frederichs in der Verantwortung, wieder verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Unternehmer „auch wieder Freude am Investieren in Deutschland finden“. Unter den derzeitigen Voraussetzungen rechnet der BBS für 2026 mit einem leichten Produktionszuwachs von rund zwei Prozent. „Ein weiterer Lichtblick, aber immer noch im Krisenmodus“, so Frederichs abschließend.

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Der schwerste Produktionseinbruch in der Baustoffindustrie seit Gründung der Bundesrepublik scheint weitestgehend überstanden zu sein. Die Konjunkturindikatoren lassen auch im Wohnungsbau eine Stabilisierung erkennen. Mit dieser Einschätzung lässt der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) für das neue Jahr vorsichtigen Optimismus erkennen. Für eine nachhaltige Trendwende seien jedoch rasche, verlässliche und konsequent umgesetzte politische Reformen unerlässlich.

„Die Talsohle wurde 2025 endlich erreicht. Unter den richtigen Rahmenbedingungen kann es 2026 wieder spürbar aufwärts gehen“, erklärt Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BBS. Positiv bewertet der Verband das jüngste baupolitische Engagement der Bundesregierung. Mit der befristeten Wiedereinführung der EH55-Förderung sowie dem sogenannten Bau-Turbo seien Instrumente auf den Weg gebracht worden, die kurz- und mittelfristig Impulse für den Wohnungsbau setzen könnten. Mehr Planungssicherheit brauche es hingegen bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands. „Die anhaltenden Unsicherheiten zur Zukunft des Gebäudeenergiegesetzes sowie zur nationalen Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD wirken derzeit wie ein Bremsklotz für Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz im Gebäudesektor“, warnt Frederichs. Entscheidend sei ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Effizienzsteigerungen und der Umstellung auf klimaneutrale Wärmeerzeugung. Gerade Gebäude mit dem schlechtesten energetischen Zustand sollten gezielt förderpolitisch adressiert werden, um die Effizienz zu steigern und CO₂-Emissionen und Heizkosten wirksam zu senken.

Große Bedeutung misst der BBS den geplanten Investitionen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen bei. Diese müssten 2026 zwingend „auf die Straße gebracht werden“. Scharf kritisiert der Verband hingegen die inzwischen beschlossenen Kürzungen der Investitionen aus dem Kernhaushalt zulasten des Sondervermögens. „Wir nehmen 500 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf, erzielen aber lediglich ein Wachstum von Nullkomma X – das kann nicht im Sinne der Erfinder sein“, so Frederichs. Damit die vorhandenen Mittel schnelleingesetzt werden können, brauche es laut Verband einen zügigen Beschluss des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes. Um darüber hinaus die Wirksamkeit des Sondervermögens zu erhöhen, müssten Planungs- und Genehmigungsverfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich beschleunigt werden – ausdrücklich auch bei der Gewinnung der benötigten mineralischen Rohstoffe. Insgesamt sei beim Thema Planungsbeschleunigung ein breiterer Ansatz erforderlich, um weitere Investitionen zu mobilisieren. „Allein staatliche Investitionen reichen nicht aus. Wir müssen an die Rahmenbedingungen ran, damit auch privates Kapital wieder stärker Vertrauen fasst.“

Industriepolitisch bewertet der BBS die Entlastungen bei den Energiekosten, insbesondere bei den Netzentgelten, als wichtige kurzfristige Stütze. Zugleich stellt Frederichs klar, dass Subventionen keine dauerhafte Lösung zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sein können. Notwendig sei vielmehr eine verlässliche Perspektive für die Nutzung bezahlbarer grüner Energie vorzulegen. Nach dem überfälligen Beschluss zum Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz müsse zügig auch über die Finanzierung der erforderlichen CO₂-Infrastruktur entschieden werden. Insgesamt lägen aus der Bau- und Wirtschaftspolitik bereits einige Vorschläge zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Tisch, nun kommt es auf die Umsetzung an. „Im Jahr 2026 muss der erkennbare Reformwille zu spürbarer Handlungsfähigkeit weiterentwickelt werden. Nur dann kommen wir einer echten wirtschaftlichen Kehrtwende näher“, fasst Frederichs zusammen.

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